Eine frische Pressemeldung auf dem Bildschirm: Die LfA Förderbank Bayern registriert 2011 ein Rekordhoch in der sechzigjährigen Geschichte. 6100 kleine und mittlere Unternehmen erhielten im Vorjahr rund 1,9 Milliarden Euro zinsgünstiger Kredite. Sicher ein Zeichen für die nachhaltig gute Entwicklung der Konjunktur in Deutschland – schließlich geht es um ein Gesamtinvestitionsvolumen von 2,8 Mr. Euro. Aber die Zahlen werfen auch Fragen auf. Wird ein so hoher Anteil kreditfinanziert, weil es an Eigenmitteln fehlt? Reichen die Hausbanken die Kreditanträge bereitwilliger weiter an die Förderanstalt, weil sie an einer Kreditvergabe nicht interessiert sind?
Die erste Frage lässt sich leichter beantworten. Angesichts der günstigen Konditionen greifen Mittelständler eher auf Fremdkapital zu als eigene Mittel einzusetzen. Die zweite Antwort liegt nicht so einfach auf der Hand. Den Weg weist eine aktuelle Befragung der Deutschen Bank: 58 Prozent der mittelständischen Unternehmen befürchten, dass sich mit der Einführung von Basel III Kredite verteuern werden. Aber nur jedes dritte Unternehmen plant, Maßnahmen zur Vorbereitung zu ergreifen.
Sollte es aber! Denn Basel III droht die Kreditvergabe für den Mittelstand negativ zu beeinflussen. Ob die „Retaillösung“ nämlich bestehen bleibt, ist offen. Bisher konnte ein Kreditnehmer, der nicht mehr als eine Million Euro bezog, für die Bank mit nur 75 Prozent in die Risikogewichtung übernommen werden. Diese Lösung steht nun in Frage. Zwar ist die Europäische Bankenaufsicht beauftragt zu prüfen, ob die Risikogewichtung abzusenken ist – dieser Auftrag ist aber vorerst nur ein Signal. Das führt zunächst dazu, dass kritische Finanzprodukte, wie etwa Staatsanleihen, welche die aktuelle Krise bestimmen, als risikoärmer gelten als KMU-Kredite, die sich geradezu als stabilisierend erwiesen haben. Die Sparkassen und VR-Banken, deren Klientel ja der Mittelstand ist, und die in der Krise unerschütterlich waren, werden benachteiligt. Zu Recht fordert die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand eine Absenkung des Risikogewichts der KMU-Kredite um ein Drittel, um die bisherige Situation unter Basel II zu erhalten.
So wertvoll und wichtig für unsere Finanzierungslandschaft das Förderwesen in Deutschland auch ist, es kann und soll nicht den regulären Kredit ersetzen. Die Mittelständler spüren, dass sich im Zuge der Neuregulierung der Banken unter Basel III Druck für Sie aufbaut. Die Augen verschließen ist keine Lösung, wie auch das Ausweichen auf Fördergelder oder kurzfristige Kredite. Wer langfristige Investitionen zu finanzieren hat, wird langfristige Kredite brauchen. Das schafft Sicherheit bei den Konditionen für Kreditnehmer und –geber.
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